W wie Wasser

„Es ist schade, dass es keine Sünde ist, Wasser zu trinken, wie gut würde es schmecken.“ (Georg Christoph Lichtenberg) Ich habe schon manches Mal die Erfahrung gemacht, nachdem ich vieles getrunken hatte, fand ich auf einmal Wasser besonders köstlich. Das kam dann aber seltenst aus dem Wasserhahn …

Den meisten Menschen schmeckt kalkarmes oder allgemein mineralarmes Wasser besser. Ob es gesünder ist, mineralarmes Wasser zu trinken oder speziell auf „Kalk“ zu verzichten, das wird teilweise heiß diskutiert, da Kalzium und Magnesium, die für den Kalkgehalt sorgen, wichtige Mikronährstoffe sind. Auf jeden Fall ist der Kalkgehalt nicht das entscheidende gesundheitliche Kriterium für die Trinkwasserqualität. Da geht es um andere Risiken: Zum einen treten fast überall in Deutschland irgendwann einmal Probleme mit Keimen im Leitungssystem auf – und in der Folge dann mit der notwendigerweise angehobenen Chlorierung. Abgesehen kann das Alter des Rohrnetzes für Belastungen sorgen. Nicht zuletzt spielen Leitungen und Armaturen im Haus und Haushalt selbst eine große Rolle. So waren etwa giftige Schwermetalle im Trinkwasser in der Vergangenheit häufig ein Altbauthema (z.B. durch Blei- oder Kupferrohre).

Ein Labortest des eigenen Trinkwassers liefert Gewissheit. Testsets für die wichtigsten Parameter sind für 50 bis 100 Euro zu bekommen. Verbraucherschutzorganisationen raten in der Regel von umfangreichen Eigenuntersuchungen ab, die etwa auch Medikamentenrückstände umfassen würden – da die Wasserversorger solche Analytik besser beherrschen. Tatsächlich wird unser wichtigstes Lebensmittel streng kontrolliert. Bedenken sollte man bei Diskussion um Unbedenklichkeit zweierlei: Erstens, Trinkwasser ist nie komplett frei von Schadstoffen, es geht um die Menge an Rückständen. Zweitens, hinter Argumenten, die sich mit Trinkwasserbelastungen beschäftigen, stecken häufig entweder Mineralwasser-Produzenten oder Vertreiber von Wasserfiltersystemen. Es ist vieles richtig, was sie schreiben, aber es dient einem Interesse. Das ist im Auge zu behalten. 

Zunächst einmal würde ich die Informationen des örtlichen Wasserversorger anzapfen. Jedes Trinkwasser entspricht zwar den gesetzlichen Vorgaben, dennoch sind die lokalen Unterschiede so groß (sogar zwischen Stadtteilen), dass sich die Recherche lohnt, etwa in Bezug auf die Nitratwerte. Nitrate stammen überwiegend aus der Landwirtschaft. Laut Trinkwasserverordnung dürfen pro Liter Wasser 50 mg Nitrat enthalten sein. Umweltmediziner halten diesen Wert für viel zu hoch. Gerade für Kinder wird ein Grenzwert von 10 mg/l empfohlen.

Für Nitrat gibt es keine günstige Filterlösung, für Kalk und Chlor dagegen schon: Kannenfiltersysteme enthalten in der Patrone eine Masse mit Ionenaustauscher und Aktivkohle. Der Ionenaustauscher bindet Kalzium und Magnesium, aber auch Blei und Kupfer, die Aktivkohle entfernt Chlor und organische Stoffe. Allerdings bleiben besonders problematische Substanzen wie Pestizidrückstände nur teilweise haften. Dafür töten die Filter einen Großteil der Bakterien ab, da die Kohle mit Silber behandelt ist. Geschmacklich und optisch bemerken Verbraucher eine Verbesserung, auch verkalkt der Wasserkocher nicht mehr. Je effektiver Mineralien wie Kalzium und Magnesium dem Wasser entzogen und positiv geladene mineralische Ionen gegen Wasserstoffionen getauscht werden, desto saurer wird es. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, aber möglicherweise schmeckt dann der Tee besser und der Kaffee – je nach Sorte – schlechter (siehe auch PS).

Effektiver als Tischfiltersysteme sind Blockfilter. Dabei handelt sich um Geräte, die am Wasserhahn angeschlossen werden. Im Unterschied zu den Kannenfiltern, in deren Patronen das Granulat nur locker eingefüllt ist, besteht der Blockfilter aus gepresster Kohle. Dadurch können mehr Schadstoffe herausgefiltert werden. Mikroskopisch betrachtet sind Blockfilter allerdings immer noch relativ großporig. Es werden dadurch nicht alle Schadstoffe gebunden, vor allem Nitrat verbleibt im Trinkwasser.

Experten sind sich einig, dass dem Kriterium „weitgehend rückstandsfrei“ nur durch Umkehrosmose gereinigtes Wasser entspricht. Bei diesem Verfahren wird das Trinkwasser durch eine Membran mit kleinsten Poren gepresst – gegen den osmotischen Druck, also das Konzentrationsgefälle der Stoffe, daher der Name. Entsprechende Geräte werden im großen Stil in Pharmazie und Technik verwendet, wo man möglichst reines Wasser benötigt. In Regionen mit schlechtem öffentlichem Trinkwasser – also etwa nitratreichem Wasser – kann die Umkehrosmose eine sinnvolle Option sein. Da die Investitionskosten allerdings deutlich höher als bei den anderen Systemen liegen, sollte man sich zunächst einmal informieren, wie hoch die Belastung vor Ort wirklich ist. Außerdem muss man sich über Wartungsaufwand und die Qualität der Membran aufklären lassen: Ist diese billig, können Weichmacher ins Trinkwasser abgegeben werden.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal umgehört, ob es in Ihrer Nähe vielleicht noch eine Quelle gibt, wo tatsächlich natürliches Wasser hervorsprudelt? Meine Frau und ich gehen seit fast 20 Jahren mehr oder weniger regelmäßig „Wasser holen“. Auf Geschmack allein kann man sich zwar nicht verlassen, aber dennoch stimme ich der Aussage zu, dass man den Unterschied schmeckt.

PS 1) Trinkwasser darf laut Trinkwasserverordnung einen pH-Wert von 6,5 (leicht sauer) bis 9,5 (basisch) haben. Quellwasser kann recht sauer sein (z. B. pH-Wert 5,5). Deshalb sollte man saures Quellwasser nicht in Plastikflaschen lagern, da sich ansonsten Weichmacher und andere Verbindungen aus dem Plastik ins Wasser lösen können. Interessanterweise empfinden wir den Geschmack von saurem Wasser als „frisch“, basisches Wasser wirkt dagegen „seifig“. Mit basischem Wasser gekochter Tee schmeckt nicht. Und die Gesundheitseffekte von grünem Tee z. B. lassen sich wahrscheinlich nur mit leicht saurem Wasser erzielen, denn bei einem pH-Wert von 7 (neutral) oder darüber (basisch) werden die wirksamen sekundären Pflanzenstoffe oxidiert.

PS 2) Heilwässer sind Wasserarten, die reich an speziellen Mineralien sind, die bei bestimmten Erkrankungen oder zu deren Vorbeugung helfen. Schmecken tun sie in der Regel nicht. Dies trifft auch auf die meisten öffentlich zugänglichen Heilwasserquellen zu.