X wie Xmas

Es gibt nicht so viele Möglichkeiten, etwas zum Buchstaben X zu verfassen, außer vielleicht XXL für Menü oder Kleidung, ja, das wäre schon mal ein Thema. Sie nehmen es mir hoffentlich nicht übel, dass ich die Gelegenheit beim Schopfe packe und mich des „Unwort des Jahres 2008“ (laut Verein für Deutsche Sprache) bediene: Xmas für Weihnachten. Das kam wohl so, weil X (griechisch) der erste Buchstabe von Christos ist. Christen wurden wahrscheinlich schon seit vielen Hunderten von Jahren als Xn abgekürzt, vermutlich sogar innerkirchlich, z.B. X-ina für Christina. Etwa auch X-oph für Christoph? 🙂

Es soll hier doch um Gesundheitliches gehen. Weihnachten ist, mal ganz nüchtern und am Morgen danach betrachtet, auch die Zeit des Sodbrennens. Falls nicht, dürfte Sie der Blog möglicherweise weniger ansprechen, es sei denn, Sie interessieren sich für Pharma-Kritik und die Sicht der Ganzheitsmedizin, egal um was es im Einzelnen geht. Es geht um Säureblockade!

Jahrelang wurden die „neuartigen“ Säureblocker vom Typ Protonenpumpenhemmer (engl. PPI) völlig unkritisch gesehen – die Pharmaindustrie liebt es eben, Medikamente oder auch Krankheiten als „neuartig“ zu bezeichnen und dann noch alles Mögliche hinzu zu dichten, bis irgendwann der Patentschutz abgelaufen ist. (Keine Sorge, ich weiche jetzt nicht auf einen bekannten Kriegsschauplatz der „neuartigen“ Viren oder Krankheiten aus …). Doch seit etwa zehn Jahren findet zumindest in Fachkreisen ein Umdenken statt: Von wegen harmlos! Nur tut die Pharmaindustrie alles, diese Bedenken nicht zu breit bekannt werden zu lassen. Ebenfalls seit rund zehn Jahren gibt es rezeptfreie PPI, die massiv beworben werden: „Sodbrennen? Hab’ ich im Griff!“

Da die Namen der PPI-Wirkstoffe alle auf „-prazol“ enden, sprechen Ärzte bei den PPI auch von „Prazolen“. Studiert man etwa die Präparateliste von Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, ist häufig ein Prazol dabei, oft ohne dass man den Grund erkennen könnte. Gleiches gilt für Patienten in Allgemeinpraxen, besonders Senioren: Ein Prazol gehört irgendwie dazu, sei es weil Senioren häufiger an Sodbrennen leiden (nicht selten ist aber nicht zu viel, sondern zu wenig Magensäure vorhanden), oder weil sich der Arzt davon einfach eine Verbesserung des Befindens verspricht.

Vertreter der Naturheilkunde haben früh darauf hingewiesen, nämlich schon bei den Vorgänger-Medikamenten, dass die Unterdrückung der Magensäure nicht „banal“ oder „harmlos“ sein kann, weil die Magensäure viele sehr wichtige Funktionen erfüllt: Sie ist unter anderem an der Desinfektion der Speisen beteiligt, wird für die Aufspaltung der Eiweiße und für die Aktivierung von Eisen und Vitamin B12, also zur Blutbildung, benötigt. Eine PPI-Therapie führt zu Verlust der Magensäure-Barriere gegen Keime und erleichtert damit Krankheitserregern, darunter auch hartnäckigen wie Chlostridium diffizile, den Einmarsch und die Kolonisation von Magen und Darm.

Ursprünglich wurden die PPI Anfang der 1990er Jahre für die Behandlung von Magengeschwüren zugelassen. Dabei stellten sie in der Tat einen großen Fortschritt dar, denn Magengeschwüre sind gefährlich (können zu massiven Blutungen führen) – und unter PPI heilen sie deutlich schneller ab. Schon wenig später fing man allerdings an, sie sehr großzügig und geradezu prophylaktisch auch bei Gastritis (Magenentzündung) und schließlich bei Sodbrennen und Reflux einzusetzen.

PPI-Patienten leiden häufig unter Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen), u. a. weil die Säureblockade zu einer verzögerten Magenentleerung, aber auch zu einer geringeren Aktivität der Gallenblase führt. Durchfall ist wohl auch der häufigste Grund, warum Patienten die Prazol-Therapie abbrechen. Für Naturheilkundler liegt bekanntlich die Gesundheit zum großen Teil im Magen-Darm-Trakt, und daher kann etwa die massive Veränderung der mikrobiologischen Darmflora durch die Säureblockade nicht als Banalität betrachtet werden.

Erinnern wir uns doch mal: Noch vor 20 Jahren haben viele Schulmediziner über die „Darmflora“ gelacht und sie für ein Hirngespinst von Alternativmedizinern gehalten, heute will jeder das „Mikrobiom“ (bitte auf English aussprechen, damit es professionell genug klingt) schon immer gekannt haben. Und noch vor 15 Jahren haben Schulmediziner sich in Fachzeitschriften lustig gemacht über die naturheilkundliche Behandlung von Sodbrennen, Reflux & Co – nach der Devise „Warum so umständlich, wenn’s einfach geht? Gebt endlich PPI, und dann habt Ihr Ruhe!“ Tja, wenn’s immer nur so „einfach“ wäre.

Haben Sie eine Idee, warum es bei PPI-Patienten vermehrt zu Konchenbrüchen kommt? Die Magensäure wird zum Auflösen von Kalziumverbindungen benötigt. Sie ist außerdem erforderlich für die Umwandlung bzw. Aktivierung von Eisen – weshalb eine Säureblockade bei Eisenmangel kontrainduziert sind. Auf viele solche Zusammenhänge haben erstmals vor rund zehn Jahren zwei Naturheilkundler in Fachbeiträgen hingewiesen, die Dres. Rainer Stange und Bernhard Uehleke.

Man wundert sich nur, warum die Schulmedizin sich über solche Zusammenhänge offenbar keine Gedanken gemacht hatte! Und noch mehr muss man sich wundern, dass eine Zulassungsbehörde, die gelegentlich Nebenwirkungen bei pflanzlichen Mitteln gewaltig aufbauscht, PPI sogar zum rezeptfreien Verkauf freigibt!

Die von der Schulmedizin früher verspotteten „Allgemeinmaßnahmen“ bei Sodbrennen sind heute aktueller denn je, ein paar davon führe ich unten auf. Es gibt zwar auch eine ganze Reihe von naturheilkundlichen Empfehlungen zur symptomatischen Selbsthilfe: von Heilerde über Leinsamenschleim bis zu Rotöl. Und diese sind bei gelegentlich auftretenden Beschwerden durchaus hilfreich. Bei fortbestehender Symptomatik sollte man jedoch eine/n versierte/n Therapeut*in zu Rate zu ziehen und nach Ursachen fahnden!

Nun zu den Allgemeinmaßnahmen, die wir vermutlich an Xmas überwiegend nicht einhalten konnten:                       

  • Essen Sie nicht zu spät, d. h. möglichst mit drei Stunden Abstand zum Schlafengehen.
  • Essen Sie regelmäßig – der Organismus liebt den Rhythmus.
  • Essen Sie nicht zu kalt und nicht zu heiß, und nicht zu stark gewürzt. Starkes Würzen kann Reflux begünstigen.
  • Nicht gerade dann essen, wenn die Energie des Organismus für anderes als Verdauungsleistung benötigt wird: nicht während, direkt nach oder vor einer körperlichen Belastung.
  • Auch nach Streit und generell bei Aufregung sollte man sich mit dem Essen zurückhalten.
  • Reduzieren Sie Stress!
  • Viele verstärkende Faktoren von Sodbrennen sind bekannt, wirken aber individuell unterschiedlich stark: Kaffee, Alkohol, Kohlensäure, fettige Mahlzeiten, Zucker im Übermaß (es weihnachtet sehr) … Sie kennen Ihre „eigenen“ Auslöser besser als ich.
  • Langfristig und nicht nur nach Weihnachten ein wichtiger, aber auch nicht eben leicht umsetzbarer Tipp: Reduzieren Sie Übergewicht, sofern möglich. Kurzfristig hilft manchmal: eng anliegende Hosen, Gürtel etc. meiden.
  • Kaugummi kauen reduziert die Beschwerden. Kauen ist überhaupt der Anfang einer gelingenden Verdauung.

Ich wünsche Ihnen noch schöne und entspannte Feiertage!

PS. Mit „Übersäuerung“ des Organismus hat Sodbrennen nicht so viel zu tun, wie mancher Laie annimmt. Allerdings können die genannten Maßnahmen auch helfen, die Söure-Basen-Balance zu verbessern. Darum kümmern wir uns ein andermal.